Inspiration des Tages vom 11.01.2019

WORTE DER WEISEN –  22. Dunkelheit der Ignoranz

7. Göttliche Sichtweise:

Im Verlauf eines zwanglosen Gesprächs mit einem seiner vertrautesten Schüler erklärte der Meister, warum er morgens so viel Zeit im Bad zubrachte.

„Zuerst verneige ich mich durch das Fenster vor dem Ganges, dann grüße ich den Himalaya. Ich grüße die Tür, das Fenster und die Kommode“, erzählte er dem verblüfften Swami Krishnananda, dem damaligen Leiter des Ashrams.

Der Meister fuhr fort, Strophe für Strophe aus Sanskrit-Versen zu rezitieren und zur Lobpreisung verschiedener von orthodoxen Hindus verehrten Gottheiten. All diese Hymnen, so sagte er, rezitiere er im Bad.

Unmittelbarer Ausdruck dieser Angewohnheit des Meisters, Gott in allem zu sehen, war die Tatsache, dass er es nicht ertrug, auch nur ein verletztes Insekt zu sehen. Wenn er im Ganges badete und ein Insekt im Wasser an ihm vorüber trieb, um sein Leben kämpfend, nahm er es sofort auf seine Handfläche und brachte es ans Ufer.

Er teilte seinen Schülern ohne die leiseste Spur von Abscheu im Gesicht mit: „Selbst wenn ein Wurm oder ein Insekt in Exkrementen um sein Leben kämpft, würde ich es daraus befreien.“

Inspiration des Tages vom 10.01.2019

WORTE DER WEISEN –  22. Dunkelheit der Ignoranz

6. Die Einfachheit des Meisters:

Im Jahre 1938 las N. P. Kaliandasani, ein Hypnosearzt aus Kalyan, einen Artikel, in dem der Meister erwähnte, dass es sich nur um einen Trick handelte, wenn man Roti auf heißen Kohlen auf der Handfläche bäckt. Mit dem Wunsch, diesen Trick vom Meister zu lernen, machte sich Kaliandasani im August 1939 auf den Weg nach Rishikesh.

Der Hypnosearzt berichtete später: „Swamiji kannte mich nicht. Als ich bei ihm eintrat und mich vor ihm verneigte, legte er seine Hand auf meinen Fuß. Ich war so überrascht davon, wie dieser große Heilige unsere Begrüßung erwiderte, dass ich die eigentliche Motivation meines Besuchs vollständig vergaß.

Sein Blick zwang mich, an die höheren Dinge im Leben zu denken. Meine Zunge sagte ihm schließlich, dass ich gekommen sei, um das Guru Mantra von ihm zu erhalten.“

Inspiration des Tages vom 09.01.2019

WORTE DER WEISEN –  22. Dunkelheit der Ignoranz

5. Gott in allem sehen:

In Gesprächen wandte sich der Meister stets jedem mit Respekt und Höflichkeit zu. Auch wenn er mit einem Kind sprach, rief er es „Aap ayiye“. Während seines Aufenthalts in Malaysia sprach er den tamilischen Lastenträger auf der Kautschukplantage immer mit „neengal“ an und niemals mit „nee“. Die Pronomen für die zweite Person „aap“ in Hindi und „neengal“ in Tamil werden benutzt, wenn man mit einem älteren Menschen oder einem Vorgesetzten spricht oder auch, wenn man Gleichgestellten besonderen Respekt erweisen möchte. Die entsprechenden Pronomen für Gleichgestellte sind „tum“ und „nee“, für Mindergestellte und Untergebene „tu“ und „nee“.

In dieser Hinsicht unterschied der Meister nicht einmal zwischen Mensch und Tier. Eine kranke streunende Hündin hatte einmal im Ashram Junge geworfen und die Hundebabies, alle sehr mager, lagen kreuz und quer auf der Terrasse. Als der Meister vorüber kam und die kleinen Hunde sah, bemerkter er völlig spontan auf Tamil und ohne darüber nachgedacht zu haben: „Ivalukkellam sappadu ille pole irukku – diese Leute haben anscheinend nichts zu essen.“

Inspiration des Tages vom 08.01.2019

WORTE DER WEISEN –  22. Dunkelheit der Ignoranz

4. Mit einem Kanadier:

Ein kanadischer Aspirant, Joe Gnilka, war ein typisches Beispiel für diese Anschauung. In einem Gespräch mit dem Meister am 12. Dezember 1958 sagte er:

„Diese Illusion ist mir immer noch ein Rätsel. Ich kann mich selbst nirgends fühlen. Wenn dies, das und überhaupt alles eine Illusion ist, welche Garantie gibt es dann, dass Brahman selber nicht auch Teil der Illusion ist? Man denkt, dass Brahman existiert, aber es könnte ein Irrtum sein. Es könnte auch nur eine Illusion sein.“

Der Meister wandte sich ihm mit einem Lächeln zu und sagte:

Das heißt aber, es existiert irgendein Wesen, das denkt, dass Brahman eine Illusion ist. Wer ist dieses Wesen? Wer ist dieser Denker, dieser Zweifler? Du musst zugeben, dass dieses Wesen existiert. Wenn du zweifelst, existierst du oder nicht? Du kannst deine eigene Existenz nicht leugnen.

Diese Existenz, dieses Bewusstsein ist Sein; dieses Selbst ist die ewige Wirklichkeit, die höchste Wahrheit, die die Upanishaden Atman oder Brahman nennen.“

 

Inspiration des Tages vom 07.01.2019

WORTE DER WEISEN –  22. Dunkelheit der Ignoranz

3. Mit deutschen Gästen:

Ebenfalls in den fünfziger Jahren kam eine deutsche Familie, um den Meister zu sehen. Eine Dame fragte ihn, ob auch Europäer im Ashram lebten. Als der Meister bejahte, fragte die Dame interessiert weiter: „Sind Deutsche hier?“

Der Meister durchschaute sofort, worauf sie hinaus wollte und antwortete: „Nein, im Moment nicht. Vor kurzem ist ein deutscher Besucher abgereist. Zwei Schwarze aus den USA sind zur Zeit hier. Haben Sie sie schon gesehen?“ Die Deutschen warfen sich verstohlene Blicke zu!

„Ich habe den Eindruck, dass Leute mit heller Haut keine Schwarzen mögen“, meinte der Meister. „Was aber bedeutet schon die Hautfarbe? Die Haut ist immer die gleiche, lediglich ein bisschen Farbe wurde etwas anders aufgetragen. Bei den Weißen wurde die eine Farbe benutzt und bei den Schwarzen die andere.

Aber fließt nicht das gleiche rote Blut durch einen schwarzen Körper? Der gleiche strahlende Atman ruht in den Herzen der Schwarzen. Das ist die Wahrheit, die wir erkennen müssen.“

Nach einer kurzen Pause fuhr der Meister fort:

„Äußerliche Unterschiede sind nichts als ein Spiel Mayas (der Illusion, der Täuschung). Sie führen zu Disharmonie, Abneigung und Hass zwischen den Menschen. Erst wenn ihr sie überwindet durch Unterscheidung und Erkennen der Wahrheit, die von Mayas Einfärbungen unberührt ist, könnt ihr wirklichen immerwährenden Frieden, Glück und innere Harmonie genießen.“