Eigenes Bemühen und Gottes Gnade

Wenn es so einfach wäre, dann fangen wir morgen alle an, zwölf Stunden Sadhana am Stück. Wenn wir wüssten, wir würden dann in drei, vier Jahren die Selbstverwirklichung erreichen, ich glaube, ein Viertel der Anwesenden würde alles dafür tun. Welches Viertel? Vielleicht ein Viertel in jedem von uns. Und wenn man es uns garantieren könnte, dann vielleicht bestimmt. Vielleicht bestimmt. Aber so wirkt es eben nicht, sagt Swami Sivananda. Eigenes Bemühen ist schon wichtig, aber die Gnade Gottes kommt auch. Und die muss man auch wiederum annehmen können, denn die Gnade Gottes kommt in das Leben von jedem von uns auf unterschiedliche Weise. Manchmal liest man Heiligengeschichten und denkt, „so müsste Gott in mein Leben kommen“. Aber dann kommt Gott ganz anders. Daher gilt es, offen zu sein. Gut, Swami Sivananda schreibt dann über die erste Stufe seiner Entwicklung und das erste Mal, wo er Gottesgegenwart erfahren hat.

Er schreibt:

„Mein Vater liebte Verehrungsrituale, Pujas, die er sehr regelmäßig ausführte. Für meinen kindlichen Geist war die Murti, also die Götterfigur, die er dabei verehrte, Gott. Ich half meinem Vater gerne bei diesen Zeremonien und brachte ihm Blumen und Opfergaben. Aus der tiefen inneren Befriedigung bei diesen Ritualen wuchs in mir die starke Überzeugung, dass Gott in diesen Murtis, diesen Götterfiguren, war, die von seinen Verehrern so hingebungsvoll angebetet wurden. Auf diese Weise trat Gott in mein Leben und stellte meinen Fuß auf die unterste Sprosse der spirituellen Leiter.“

In anderen Gesprächen hat er das auch noch etwas genauer ausgeführt. Also, er hat auch mal gesagt, dass er bei der Puja Lichterfahrungen hatte, dass er irgendwo das Gefühl hatte, dass diese Murti lebendig wurde, dass sie zu ihm sprach, dass er dort irgendwo wie Anweisungen bekommen hat. Also, über diese rituelle Verehrung, das war für Swami Sivananda so der erste Schritt. Einfach, man kann sagen, Erfahrung, Gott gibt es. Für viele Menschen mag das unterschiedlich sein. Für manche mag es ein regelmäßiger Spaziergang in der Natur sein. Manche mögen es als Kinder vielleicht doch im Gottesdienst erfahren haben. Vielleicht der ein oder andere mag es in einem enthusiastischen Singen oder Kirtan erfahren haben. Manche erfahren es fast aus heiterem Himmel in einer Yogastunde. Sie gehen dort hin, weil ihnen erzählt wurde, „wenn du Yoga machst, geht dein Kopfweh weg“. Sie üben Yoga, machen die Tiefenentspannung und in der Tiefenentspannung fühlen sie sich plötzlich leicht, lichtvoll, freudig, Herz geht auf, und irgendwo haben sie das, was man in einem bestimmten Kontext als Gotteserfahrung bezeichnen würde. Jetzt noch nicht die bombastische, große, allumfassende, alles transformierende Gotteserfahrung, aber die Erfahrung, „es gibt eine höhere Wirklichkeit, ich kann sie erfahren“.

– Fortsetzung folgt –

Unbearbeitete Niederschrift eines  Satsang-Vortrags mit Sukadev Bretz.  nach Meditation und Mantra-Singen bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Weiterführende Links:

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